Onkologische Rehabilitation für Patienten mit Keimzelltumoren

Für welche Patienten ist eine Rehabilitation indiziert?

Eine Rehabilitationsbedürftigkeit ist gegeben, wenn die Tumorerkrankung oder die Tumortherapie für den Patienten spürbare Folgen, so genannte Folgestörungen, hinterlassen hat. Diese sind bedeutsam, wenn das tägliche Leben, die sozialen Aktivitäten und/oder die berufliche Tätigkeit maßgeblich und nachhaltig eingeschränkt sind.

Dies kann der Fall sein bei:

  • Akuter oder chronischer Fatigue
  • Polyneuropathien ab Grad 2 nach CTCAE 4.0
  • Kognitive Dysfunktion
  • Andere chronische Störungen nach Chemotherapie, Bestrahlungsbehandlung (z.B. nach ZNS-Bestrahlung) oder abdominellen/thorakalen chirurgischen Eingriffen (z.B. nach Metastasenentfernung)
  • Psychische Störungen infolge der Tumorerkrankung und/oder der Tumortherapie (Ängste, Depressionen)

Eine onkologische Rehabilitation sollte auch dann in Erwägung gezogen und angeboten werden, wenn die baldige Wiedereingliederung ins Erwerbsleben unsicher und in Frage gestellt ist. Das im Rahmen der Rehabilitation erstellte ausführliche sozialmedizinische Gutachten kann in solchen Fällen z.B. hilfreich für die Einleitung und Genehmigung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTAs) sein oder Hilfestellung zur Beantragung einer Erwerbsminderungsrente geben.

 

Wann sollte eine Rehabilitation angeboten werden?

Am sinnvollsten ist es eine Rehabilitation durchzuführen, wenn die akutmedizinische Therapie komplett abgeschlossen ist oder für einen längeren Zeitraum ausgesetzt werden soll. Darüber hinaus kann diese Maßnahme von Vorteil sein, wenn nach einem invasiven Eingriff eine weitere Therapie geplant ist, aber aufgrund des eingeschränkten körperlichen Zustandes dies derzeit als nicht möglich erscheint.

 

Wer beantragt eine Rehabilitation?

Die Klinik kann eine Anschlussrehabilitation (AHB) z.B. nach konventioneller oder Hochdosischemotherapie und nach Operationen beantragen. Ambulante Therapieeinheiten, onkologische Schwerpunktpraxen und Strahlentherapie-Einrichtungen können ebenfalls eine AHB beantragen. Stationäre Heilverfahren, die üblicherweise mehrere Monate oder Jahre nach Abschluss der akutmedizinischen Behandlung zu verordnen sind, können vom Hausarzt beantragt werden.

 

Wer übernimmt die Kosten für die Rehabilitation?

In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle übernimmt für eine AHB die Deutsche Rentenversicherung (DRV) die Kosten. Für ein stationäres Heilverfahren übernimmt entweder die DRV oder die Krankenkasse die Kosten. Ein Antrag auf Rehabilitation sollte in jedem Fall erst einmal bei der DRV gestellt werden. Diese leitete den Antrag dann ggf. bei Nichtzuständigkeit an die Krankenkasse weiter.

 

Wo sollte die Rehabilitation durchgeführt werden?

Sehr wichtig ist es für die Effektivität einer Rehabilitation, diese in einer Fachklinik durchzuführen, die über den Schwerpunkt onkologische Rehabilitation verfügt. Dabei kann es sich um eine internistisch-onkologische als auch um eine urologische Rehaklinik handeln. Die Auswahl sollte sich nach der stattgehabten Therapie als auch nach der individuellen Bedürftigkeit des Patienten richten. Der Patient sollte dahingehend beraten und auf das Wunsch und Wahlrecht hinsichtlich der Auswahl der Klinik hingewiesen werden. Die Wunsch-Klinik sollte idealerweise bereits im Antrag genannt werden. Sollte der Kostenträger eine nicht-onkologische Klinik vorschlagen, ist es mögl