Einsatz einer Hochdosischemotherapie bei männlichen Keimzelltumoren

Patienten mit ausgedehnt metastasierten Hodentumoren, vor allem diejenigen mit Leber- und ZNS Metastasen, Patienten mit sehr hohen Tumormarkern, Patienten mit primär mediastinalen Nichtseminomen, und Patienten mit einem verzögerten Abfall der Tumormarker unter Primär- oder Salvagetherapie 3,4 

Auch die Mehrzahl aller Patienten mit Rezidiven nach Cisplatin-haltiger Primärtherapie haben eine relativ schlechte Prognose1,2

Der Einsatz einer hochdosierten Chemotherapie mit Rückgabe autologer hämatopoetischer Progenitorzellen kann die Erfolgschancen im Vergleich zu einer Chemotherapie in herkömmlichen Dosierungen verbessern. 5-7

Diese Therapie wird vor allem an denjenigen Zentren mit Erfolg durchgeführt, die sowohl mit dem Verfahren der Hochdosischemotherapie gut vertraut sind als auch eine besondere Expertise in der Behandlung männlicher Keimzelltumoren haben (Adressen siehe http://www.hodenkrebs.de).

Um den Einsatz Hochdosischemotherapie optimal zu gestalten und Langzeitergebnisse zu erfassen, können die Behandlungen in zwei so genannten Registerstudien erfasst werden. Zusätzlich ist die Aktivierung einer internationalen multizentrischen Studie zum Einsatz einer Hochdosischemotherapie im Rahmen der Rezidivbehandlung für Anfang 2016 geplant.

 


Einsatz einer Hochdosischemotherapie

Primärbehandlung

  • Ungünstige Prognose („poor risk“) nach der IGCCCG
    Klassifikation mit ZNS-Metastasierung (mäßige Evidenz)
  • Ungünstige Prognose („poor risk“) nach der IGCCCG
    Klassifikation mit Leber- Knochenmetasen (mäßige Evidenz)
  • Primär mediastinale Nichtseminome (stärkere Evidenz)
  • Verzögerter Abfall der Tumormarker AFP und/oder HCG unter erstem Zyklus PEB (gute Evidenz)
    (siehe auch separates Statement der AG Hodentumoren)

 

Rezidivbehandlung:

  • alle Patienten im ersten Rezidiv mit Risikofaktoren
    (stärkere Evidenz)
  • alle Patienten im zweiten oder nachfolgenden Rezidiv
    (gute Evidenz)

 

(Stand der Empfehlung: Mai 2015)

 

 

Referenzen

 

1   The International Germ Cell Cancer Collaborative Group: International germ cell consensus classification: A prognostic factor-based staging system for metastatic germ cell cancers.
J Clin Oncol 15:594-603,1997.

2   The International Prognostic Factors Study Group: Prognostic factors in patients with metastatic germ cell tumors who experienced treatment failure with cisplatin-based first-line chemotherapy.
J Clin Oncol 28:4906-4911,2010.

3   Massard C, Kramar A, Beyer J, et al. Tumor marker kinetics predict outcome in patients with relapsed disseminated non-seminomatous germ-cell tumors. Ann Oncol 24:322-328,2013.

4   Fizazi K, Pagliaro L, Laplanche A, et al. Personalised chemotherapy based on tumour marker decline in poor prognosis germ-cell tumours (GETUG 13): a phase 3, multicentre, randomised trial. Lancet Oncol 15:1442-1450,2014.

5   Einhorn LH, Williams SD, Chamness A, et al. High-dose chemotherapy and stem-cell rescue for metastatic germ-cell tumors. N Engl J Med 357:340-348,2007.

6   Lorch A, Bascoul-Mollevi C, Kramar A, et al. Conventional-dose versus high-dose chemotherapy as first salvage treatment in male patients with metastatic germ cell tumors: evidence from a large international database. J Clin Oncol 29:2178-2184,2011.

7   Lorch A, Neubauer A, Hackenthal M, et al. High-dose chemotherapy (HDCT) as second-salvage treatment in patients with multiple relapsed or refractory germ-cell tumors. Ann Oncol 21:820-825,2010.