Adjuvante Therapie beim Seminom im klinischen Stadium I

Die überwiegende Mehrzahl der Patienten im klinischen Stadium CS I wird durch die kurativ intendierte Orchiektomie des tumortragenden Hodens geheilt. Das gilt auch für das seltene Ereignis eines eventuellen Erkrankungsrückfalls. Somit relativiert sich das mögliche postoperative Vorgehen.

Zur Verfügung stehen hierfür die Optionen der Aktiven-Surveillance-Strategie, d.h. ein aktives Nachbeobachten und Therapieren lediglich bei einem Rückfall, oder – alternativ dazu – die einer adjuvanten Chemotherapie mit Applikation von einem Zyklus Carboplatin (AUC 7). Die notwendige Entscheidung hierüber sollte immer individuell nach ausführlicher Erörterung zwischen Arzt und Patient getroffen werden.

Die Aktive-Surveillance-Strategie wird heutzutage für die meisten Patienten mit Seminom im klinischen Stadium I favorisiert (1).

Eine adjuvante Therapie erfolgt in der Zielsetzung, eine mögliche, klinisch okkulte Mikrometastasierung in den regionalen Lymphabflussgebieten zu eradizieren. Sie kann erwogen werden für diejenigen Patienten, bei denen sog. Risikofaktoren für einen Rückfall vorliegen. Als solche werden eine Tumorgröße von >4 cm, eine Tumorinvasion in das Rete testis bzw. eine lymphovaskuläre Invasion angesehen, ohne dass diese Faktoren in prospektiven Studien einheitlich als ausreichend valide bestätigt worden sind (1, 2).

Die früher übliche adjuvante perkutane Radiotherapie der retroperitonealen Lymphabflussregion wurde aufgrund möglicher radiogener Spätfolgen weitgehend zugunsten einer Chemotherapie verlassen, und kann lediglich bei Ablehnung oder Kontraindikation zur Chemotherapie unter Beachtung moderner Dosis- und Zielvolumenkonzepte (20 Gy, retroperitoneale Lymphregion) eingesetzt werden.

Vor allem für Patienten, die keine der o.g. Risikofaktoren aufweisen, sollte die Surveillance-Strategie erste Wahl sein, da für sie die Rückfallwahrscheinlichkeit <5% beträgt und ihre krankheitsspezifische Überlebenschance nach 15 Jahren bei nahezu 100% liegt (3, 4).

Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass Nutzen und Risiko der „Aktiven Surveillance für alle“ versus einer adjuvanten Therapie für alle versus eines risikoaptierten Vorgehens bisher noch nie in einer prospektiven Studie getestet worden sind.

 

Literatur:

1 Beyer J, Albers P, Altena R, et al. Maintaining success, reducing treatment burden, focusing on survivorship: highlights from the third European consensus conference on diagnosis and treatment of germ-cell cancer. Ann Oncol 2013;24:878-888.

2 Mortensen MS, Lauritsen J, Gundgaard MG, et al. A nationwide cohort study of stage I seminoma patients followed on a surveillance program. Eur Urol 2014;66:1172-1178

3 Tandstad T, Cavallin-Stahl E, Dahl O, et al. Management of clinical stage I seminomatous testicular cancer: A report from SWENOTECA. J Clin Oncol 2014;32:5s, (Suppl; abstr 4508)

  1. Aparicio J, Maroto P, del Muro XG, et al. Risk-adapted treatment in clinical stage I testicular seminoma: the third Spanish Germ Cell Cancer Group study. J Clin Oncol 2011;29:4677-4681